100 Kilometer in 24 Stunden: Mega(i)marsch

Der Gedanke, als Läufer die Wanderschuhe zu schnüren und die Ehrfurcht, wenn nicht gar Furcht einflößende Distanz von 100 Kilometern in Tagesfrist zu absolvieren, kam mir nicht erst im Laufe dieses Jahres. Schon 2012 hatte ich begonnen, mich mit dem Thema zu befassen, mich an die Distanz heranzutasten und entsprechendes Equipment zusammenzustellen. Die Horizontale – rund um Jena, die ich damals mit Freunden angehen wollte, wurde am Veranstaltungstag abgesagt und so blieb nur ein Trost-Halbmarathon auf einem Teil der Strecke.

Der Trend zu immer neuen Challenges hat inzwischen mehrere neue Märsche über diese Distanz entstehen lassen und einer davon – der Megamarsch, der erstmals in diesem Jahr in Frankfurt ausgetragen werden sollte – hatte mein Interesse neu geweckt. Als dann auch noch ein günstiges Early-Bird-Ticket angeboten wurde, hing ich als notorisches Sparbrötchen an der Leimrute und meldete mich an.

Aufgrund der Marathon-Vorbereitung hatte ich eine gute Grundlagen-Ausdauer und da zu weiten Wanderungen zwecks Ausrüstungs- und Belastungstests schlicht keine Zeit blieb, beschloss ich, es dabei zu belassen. Rund 12.000 Schritte gehe ich ohnehin jeden Tag. Hinzu kommt die mentale Härte und Leidensfähigkeit, die man zwangsläufig mitbringt, wenn man den Marathon in der Regel nicht in dreieinhalb, sondern in knapp bis rund fünf Stunden beendet. Ob diese Entscheidung töricht war, oder nicht, sollte sich am 14. und 15. Oktober 2017 zeigen.

Das Wetter hätte es am Megamarsch-Samstag kaum besser mit Veranstalter und Wanderern meinen können (die durchgehend männliche Schreibung ist einzig der besseren Lesbarkeit geschuldet, denn es waren jede Menge beinharter Mädels am Start). Mein Wander-Kumpan Thomas – seines Zeichens Pfadfinder und mit Distanzen bis etwa 75 Kilometer vertraut – und ich hatten als favorisierte Startzeit 16:00 Uhr und mithin das früheste „Go“ gewählt. Beinahe wäre unser Block jedoch ohne uns gestartet, denn es erwies sich trotz zweier Autos mit vier Navigationsgeräten als schwierig, den Tennisverein im Stadtwald bzw. die richtige Ausfahrt zu selbigem Platz auszumachen. Eine unerwartete Sperrung am Museumsufer machte uns endgültig nervös, aber um 10 Minuten vor Vier waren wir vor Ort und kosteten das dämliche Gefühl aus, von der falschen Seite auf das Starttor und die dahinter versammelten Wandervögel zu zu marschieren.

Wir reihten uns ein, nahmen die letzten ermahnenden Worte aus dem Megaphon des Veranstalters wahr („kein Müll und kein Mensch wird im Wald zurückgelassen“ – beides durchaus löblich), zählten von 10 bis zu besagtem „Go“ und setzten uns in Bewegung. Fotografiert und motiviert von unsern Supportern aus Frankfurt und hessisch Sibirien. Ein Vorteil der Verspätung: kein langes auf und ab Stehen im Bereitschaftsraum; Kommen und Gehen in einem Zug.

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Wikinger werden macht morgens Beschwerden

Ich habe nicht gedient. Einerseits, weil ich zum Zeitpunkt meiner ersten und zweiten Musterung noch mehr als 130 Kilo auf den Hüften hatte; zum andern, weil ich mit nur einem Satz erfolgreich verweigert habe (zugegeben: besagter Satz hatte eine ganze Menge Kommata). Doch warum? Aus überzeugtem Pazifismus? Nunja… wenn ich in der rush hour Auto fahre habe ich mit Gandhi soviel gemein, wie ein Puritaner mit Charles Bukowsky…. Warum also?

Wenn ich in ehrlichen Momenten tief in mein Gemüt blicke, steht mir der Grund meines Rückziehers vor Augen: Ich hatte Bammel vor der infanteristischen Ausbildung auf der Kampfbahn. Gräben mit Schlamm und Unrat. Meterhohe Hindernisse aus hartem Holz, die man mit voller Montur überwinden muss; umringt von brüllenden Kämpfern denen die Schinderei einen Heidenspaß bringt. Hitze, Kälte, Stacheldraht, bräunliches Wasser, dass an einem runterläuft und das Schlimmste: Sprünge aus schwindelnder Höhe ins nasse Ungewisse.

Umso befremdlicher, dass ich im gesetzten Alter darauf hinarbeite, mich auf ein Abenteuer vorzubereiten, das von all diesen fragwürdigen Freuden reichlich bereithält: ein Hindernis-Lauf. Genauer der Strong Viking 2017 Water Edition in Frankfurt. Nachdem erste Anläufe zu einem solchen Unterfangen an diversen Gründen gescheitert waren, soll es dieses Jahr klappen. In genau zwei Monaten geht es an den Start und beim Betrachten der Videos im Web werden schon jetzt die Handflächen feucht (noch sind es zum Glück nur die Handflächen…).

Um nicht völlig elend vor dem ersten Hindernis zu verweilen, bis mich der Zielschluss von der Schmach erlöst, läuft die Vorbereitung und was könnte neben vielen Läufen besser sein als Bodyweight Training mit Burpees, Klimmzügen, Liegestützen und dergleichen? Nichts. Also ab  auf den Bauch, in die Hocke und wieder hoch. 25 mal, 50 mal, 100 mal.

Perfekte Unterstützung beim Vorbereiten und auch beim Lauf selbst bietet die Frankfurter Freeletics Community. Vor allem die FRA FREELETICS Early Birds, die mehrmals die Woche zu nachtschlafener Zeit die Bolzplätze an der neuen EZB heimsuchen, um es krachen zu lassen. Die meisten in der Gruppe sind schon alte Häsinnen und Hasen in Sachen obstacle running. Ob mich das Training auch nach Walhall bringen wird (vor allem lebend), entscheidet sich Anfang Juni. AARHUU!!!

Hier ein paar Impressionen aus den letzten Wochen:

Im Schatten der Zahl oder Bong, Bong Luftballon

Läuferregeln wie diese drücken es klar und deutlich und zudem in Reimform aus: „Sparst Du im Vorfeld die langen Läufe, kommst Du vom Regen in die Träufe“ oder „Viermal über dreißig muss sein, sonst martert Dich der Schmerz im Bein“ oder auch „Zuwenig Strecke in den letzten Wochen und Du kommst zur Ziellinie gekrochen“ – dies ließe sich geradezu endlos fortführen. Die Vermehrung der Worte vermehrt dabei aber nicht den Sinn. Was alle diese Regeln, die schon vom Versmaß her einem Krampf gleichkommen, besagen, ist stets ein und dasselbe: Wer in der Marathonvorbereitung zu wenig Kilometer abspult wird nicht nur leiden, sondern auch spätestens bei Erreichen der Halbdistanz jede Bestzeithoffnung in die sprichwörtliche Tonne klopfen.

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Ich kann nur sagen: stimmt. Und zudem ist bei einem Marathon auch im hinteren Teil des Feldes nichts planbar.

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Gut drauf beim letzten langen Lauf

Der letzte Halbmarathon in Mühlheim hat es klar gezeigt: Ganz verkehrt kann die diesjährige Vorbereitung auf den 35. Frankfurt Marathon nicht gewesen sein. Respice  finem sagt der Lateiner und was ich am Ende als Ertrag der gemäßigten Mühen erwarte, erscheint keineswegs überzogen. Es geht nicht darum, krampfhaft schneller zu werden. Die Fixierung auf irgendwelche neuen Bestzeiten, für die der ambitionierte Marathoni ohnehin nur ein mitleidiges Lächeln übrig hätte, hat mich schon einmal um die Freude am Lauf gebracht. Mir geht es 2016 darum, das Gefühl bei meinem ersten und dritten Frankfurt Marathon wieder zu finden. Es einfach laufen lassen, die Strecke und die Stimmung erleben und möglichst wenig zu marschieren. Soweit der Plan.

Hit the Road Jack - with my Süppelrucksack on my back
Hit the Road Jack – with my Süppelrucksack on my back

gut-drauf3Ob dies im Bereich des Möglichen ist, galt es am Sonntag, der mit herrlichem Herbstwetter aufwartete, ein letztes Mal zu überprüfen. Auch wenn sich die Trainingspläne für Marathon nicht ganz einig sind, sehen die meisten den letzten Lauf über mehr als die Halbdistanz für den vorletzten Sonntag vor dem Rennen vor. Die Strecke die ich mir ausgesucht habe, beginnt mit einer großen Runde im Günthersburgpark und führt danach auf dem Radweg bis ins Zentrum der Quellenstadt Bad Vilbel. Kurz vor der Unfallklinik am Huthpark treffe ich einen älteren Läufer mit Frika Triathlon Team-Trikot, der wie ein Uhrwerk eine 7er Pace abspult. Er hat bereits 17 Kilometer in den Beinen und eine kleines Stück Weg geht es mit einem Plausch gemeinsam dahin. Schon nach dem ersten Kilometer merke ich, dass mir die Fügung den perfekten Pacemaker an die Seite gestellt hat. Er bringt mich genau in den richtigen Rhythmus und das, obwohl er mit einer Zielzeit von unter vier Stunden läuferisch in einer anderen Klasse zuhause ist. Unweit der Heilsberg-Siedlung wünschen wir uns viel Erfolg für den 30.10. und jeder läuft wieder seiner Wege.

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Höhenflug des Kranichs: Crane Natural Running Schuhe Modell 2015

Gemeinhin prüft man Gegenstände auf Herz und Nieren, was jedoch bei Schuhen und anderen minder komplexen Dingen, die ganz sicher über keines der genannten Organe oder zumindest vergleichbare Innereien verfügen, ungeachtet des bloß übertragenen Sinnes, wenig passend erscheint. Wer will, sollte die Treter lieber auf Leisten, Zunge und Bänder testen, die im Organischen ihre Entsprechung haben.

Doch es geht es nicht um das sprichwörtliche Drumherum, das nichts weiter besagt, als dass es die Testenden genau genommen haben, sondern um den Test und dieser widmete sich einem Laufschuh vom Discounter.

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Nach 13 Monaten Dauerbelastung. Die gelöste Textilfolie über der Innensohle war beim Laufen nicht zu spüren.

 

Crane Natural Running Schuhe von Aldi Süd konnte man im Juni 2015 zu einem geradezu unanständig günstigen Preis von EURO 15,99 erwerben. Die Nachhaltigkeit der Produktion von Laufschuhen kann meines Erachtens auch bei einem hochpreisigen Modell getrost infrage gestellt werde, weshalb ich diesen Aspekt nicht in die Bewertung einfließen lasse. Es geht um die Qualität, die zu einem solchen Preis möglich ist und es erscheint prima specie mehr als geboten, an der Wertigkeit eines derart billigen Produkts zu zweifeln.

Bislang konnte ich einen weiteren Online-Produkttest zu einem Vorläufermodell des von mir gekauften Schuhs ausfindig machen. Meine Erfahrung stellt das diametrale Gegenteil zum Urteil dieses Testers dar.weiterlesen

Mühlheim 2016: Und ewig summen die Wälder…

Der Internationale Volkslauf in Mühlheim, integraler Bestandteil des Main Lauf Cup und in diesem Jahr zum 43. Mal ausgetragen, ist (wie nahezu alle Läufe dieser Serie) wert, gelaufen zu werden. Bis auf einen Streckenabschnitt von ca. 1,5 Kilometer entlang der Schnellstraße geht es ausschließlich durch Wälder um Mühlheim, Hanau und Obertshausen.  Am Ende der Halbmarathon-Strecke warten auf die Teilnehmer sogar richtige Trail-Passagen mit Stufen, Steinen, Brücken über kleine Gewässer und Pfade, die beinahe schon die Bezeichnung Singletrail verdienen. Oft geht es zudem bergab, was die Strecke grundsätzlich für neue persönliche Bestzeiten prädestiniert.

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Sub two – erstmals seit 2013

An diesem Sonntag macht der Sommer auf Herbst und bietet mit angenehmen Temperaturen unter 20 Grad Celsius und leichtem Nieseln auch witterungstechnisch Idealbedingungen für einen zügigen Halben. Entsprechend motiviert setzte sich das Feld in Bewegung und auch ich war – trotz der Tatsache, dass ich mich erst um Mitternacht und in zugegebenermaßen leicht weinseliger Stimmung spontan zur Teilnahme entschlossen hatte – guter Dinge und trabte zügig los. Adrenalin hatte ich auch genug in der Blutbahn, dennweiterlesen

Frankfurt im Oktober: 34 plus 5

Jeder, der zu Rechnen vermag, weiß, dass mit dieser Addition nicht die Strecke des Frankfurt Marathon gemeint sein kann; dennoch macht selbige Sinn, denn der 34. lange Lauf am Main war mein 5. ebenda und mithin das Bergfest auf dem Weg zur Mitgliedschaft im Frankfurt Marathon Club.

FM34 Finisher TrioPlaste statt Blech ist auch ein Motto: Keine Medaille, dafür nicht ganz blickdichte und keineswegs wärmende Mülltüten mit Skyline –Aufdruck.

Ich liebe den Frankfurt Marathon, aber ganz ehrlich: Sucht Euch schnellstmöglich einen neuen Hauptsponsor! Wir TeilnehmerInnen zahlen ein nicht ganz kleines Startgeld – u.a. für Wärmefolie und Finisher Medaille. Dass letztere nachgeschickt, graviert und was auch immer werden, ist egal, denn Ende November hängt sich keiner mehr die Dinger um den Hals. Mir tut es vor allem für die erstmaligen Finisher leid. Wenn gespart werden muss, dann spart meinetwegen im Printsektor bei den diversen Hochglanz-Heftchen und Büchern.

Erneut war das Dreigestirn der vergangenen Jahre mit am Start und im Ziel: Glückwunsch an Klaus (im Bild in der Mitte) und vor allem an Frauke zur tollen, neuen PB! Ein ganz besonderer Glückwunsch an Verena (im Bild ganz rechts), die ich 2014 bei ihrem Halbmarathon-Debut und nunmehr bei ihrer ersten Bewältigung der 42, 192 Kilometer begleiten durfte. Es war mir eine Ehre, auf den letzten Kilometern Dein Flügelmann zu sein! Und selbstredend Gratulation an Katja für ihr erstes Finish. Wie kann man nur nach so einem Lauf als erstes an eine Kippe denken?

Über diesen 34. Frankfurt Marathon gibt es mehr als genug zu berichten, daher zunächst ein Kurzkommentar zu den Schlagzeilen, die jeder, der sich für den Laufsport begeistert, längst aus zig Quellen kennt. Gratulation an den beeindruckenden Lauf zum neuen Deutschen Rekord an Arne Gabius. Als „this German guy“, wie ihn die Konkurrenz aus Afrika nennt, Vierter in diesem Feld zu werden, ist einfach unglaublich und aller Ehren wert. Hol Dir den nächsten Europameistertitel, Arne und viel Spaß bei den Olympischen Spielen! Den hätte jeder (und ich als alter Fulderaner ganz besonders) auch Lisa Hahner gegönnt. Warum kann sich der zuständige Dachverband einer Nation, die beim Marathon nicht für die ganz hohen Treppchen gebucht ist, nicht einfach freuen, wenn eine Läuferin aus der Heimat die weltweite Norm erfüllt? Wieso muss eine Schippe draufgelegt und einer so sympathischen und ambitionierten Zwillingsschwester wegen neun Sekunden ein Strich durch die Olympia Rechnung gemacht werden?

Ein weiteres Wort zur Causa Horst Jendrasch: Ein fitter Senior, der alle bisherigen Auflagen des ältesten deutschen City Marathons gefinisht hat, wird vom Besenwagen überholt. Dennoch ist er vor Torschluss in der Festhalle. Nach ein paar Tagen die offizielle Verlautbarung: Horst hat abgekürzt und die Rennleitung darüber informiert. Seine Serie ist unterbrochen, aber er behält seine ewige Startnummer und ist beim nächsten Mal willkommen. Soweit die Fakten. Dazwischen liegen tausende Beiträge in diversen Foren und Medien und das ständige „Disqualifiziert ihn“ aus vielen Mündern – besser: Tastaturen – erinnert ein wenig an die Passionsgeschichte. Empörung ist oft berechtigt; vielleicht macht es auch Freude, sich hin und wieder zu empören. Mein Vorschlag dennoch: Der Veranstalter werfe künftig den ersten Stein.

Jetzt aber zu den Eindrücken, die für den Läufer im letzten Drittel (der Zeit für sie hat) mehr bedeuten als alles andere. Zu den schönsten und besten zählen die Begegnungen mit den großen und vor allem kleinen Unterstützern an der Strecke (ein dickes Dankeschön an Charlotte, Pauline, Isabel, Ronald, Hanna, Frida, Gustaf, Annika und Maddin, das weißgewandete Diätprodukt auf zwei Reifen, noch dünner als er selbst).

FM34 KussKuss für die Gemahlin

FM34 41Handgreiflichkeiten zwecks Siegergeste: Verena und ich bei Kilometer 41

Ach ja: Diesmal war ich etwas später dran. Genauer: Einen Tag. Dennoch eine schöne, schnörkellose Startnummer für den 35. Frankfurt Marathon 2016:

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Noch weniger Zeit beim Lauf für mehr Zeit

zwei Jahre ist es her, dass ich beim Lauf für mehr Zeit am Ende der Fressgass in Richtung der Uhr über dem Zieleinlauf spähte und ungläubig eine Zeit unter 50 Minuten für den 10 Kilometer Lauf als möglich erkannte. Damals hatte ich auf den letzten Metern noch einmal alle Kräfte mobilisiert und (eklig aber den Tatsachen entsprechend) dicke Schaumbatzen ausgespien wie ein Kutschpferd in einem klassischen Gruselfilm bei der Hetzjagd über Bergstraßen in der Karpaten. Das Ergebnis damals war eine Netto-Zeit von 00:48:33 und eine knappe Stunde Todeserwarten, da mein Puls einfach nicht mehr runter wollte. Mit Schnappatmung torkelte ich an den Fressbuden vorbei (was bereits erkennen lässt, dass ich nicht mehr Herr der Lage war, denn nach einer solchen Zeit würde ich keine Fressbude auslassen). Ich sprach schließlich sogar mit einem der Rettungssanitäter, der aber keinen Hehl daraus machte, dass er lieber einem zwanzigjährigen, gertenschlanken Laufmagazin-Covergirl die Schenkel mit Franzbranntwein gekühlt oder die Knie verpflastert hätte, als einem schnaufenden Enddreißiger die Angst vor dem Kollaps zu nehmen.

Nach einem Aussetzer im vergangenen Jahr, war ich 2015 wieder am Start. Vielleicht war es die Performance der Calisthenics-Athleten im Rahmenprogramm, die mich zu Höchtleistungen animierte. Vielleicht auch der bis dato noch stabile Gewichtsverlust. Vielleicht die Stimmung im Läuferfeld; vielleicht, oder eher wahrscheinlich alles zusammen.

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Jedenfalls gelang es mir, meine Bestmarke um 32 Sekunden zu unterbieten. Das Beste daran: Der Puls war schon am Bierstand wieder im Normbereich und mithin gab es keinen Grund mehr, auch nur eine Fressbude links oder rechts liegen zu lassen. Ich freue mich schon auf das kommende Jahr…

Abbel – fertig – los: Berkersheim läuft zum zweiten Mal

Der Frankfurter Stadtteil Berkersheim ist das ideale Habitat für Menschen, die ein dörfliches Lebensgefühl mit der Anbindung an die Infrastruktur einer modernen Großstadt verbinden wollen. Dass es sich in Berkersheim nicht nur gut leben, sondern auch gut laufen kann, liegt aber nicht nur daran, dass man hier mit der Nidda und den parallel zum Fluss verlaufenden Radwegen ein prima Laufrevier vor der Nase hat.

Zum zweiten Mal fand in diesem Jahr der Abbel Lauf des TSV Berkersheim statt und dieses fruchtige Rennen ist zwar noch klein, was die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer anbelangt (2015 insgesamt 129), aber in Sachen Orga ähnlich gut aufgestellt wie die größeren Volksläufe – Zeitmessung per Chip in der Fußfessel eingeschlossen.

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42 StarterInnen nahmen die 10 Kilometer unter die Füße (Bilder vom Lauf: Holger Schröder / TSV Berkersheim)

Hauptlauf ist der 10 KM Run für den der nicht ganz ebene Rundkurs von 2,5 KM viermal bewältigt werden muss. Daneben finden ein Jedermann (5 KM) sowie ein Schüler (2,5 KM) und ein Bambinilauf (300 M) statt.

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Runde drei: Bauchfrei am Wasser vorbei

Auch in Berkersheim zeigten verminderte Umfänge im Bereich der Hüften und gesteigerte Umfänge im Training Auswirkungen in Form einer neuerlich verbesserten Zeit. Da schmeckte der Abbelwein und der Abbelkuchen nach dem Lauf gleich nochmal so lecker.

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Der kleine, feine Run in Frankfurts dörflichstem Quartier ist es Wert, zu wachsen und zu reifen wie die namengebende Frucht. Es ist sehr erfreulich zu hören, dass der Veranstalter eine dritte Auflage ausrichtet. Einziges Manko in 2015: der Termin. Parallel zu einer Veranstaltung des Main-Lauf-Cups, dem Internationalen Volkslauf in Mühlheim, kann man als junges und nicht eben offensiv beworbenes Event kaum mit Riesenandrang rechnen.

Herkules: Wasserspiele mit zwei Kerlen

wer angesichts der Überschrift die Hoffnung hegt, es ginge im Folgenden um die Beschreibung eines Erotik-Streifens der eher exotischen Art aus den frühen 80ern des vorigen Jahrhunderts, wird leider enttäuscht.

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Vielmehr gilt es von einem Run im Rahmen einer Dienstreise ins nördliche Hessen zu berichten. Näheres verkünden die folgenden vierhebigen Verse in grobschlächtigem Metrum:

Wer bei einer Körperschaft/mehr geistig als mit Körper schafft/tut gut daran in Morgenstunden/wenn noch im Schlafe liegt der Rest/er mit Elan das Bett verlässt/im Sportdress eilt zur Straße unten;/und lang vor der wicht’gen Versammelung/sich widmet der Leibes Ertüchtigung./Freund Martin hat mit Vorbedacht/uns eine Strecke mitgebracht/Dank GPS und Google-Map/scheucht er mich auf die Gass – der Depp!/Viel Höhenmeter und lange Distänzen/wen wunderts – Adonis will neuerlich glänzen./Es nieselt leise und ist schwül/ich schwitz schon, er wirkt frisch und kühl./Knopfdruck und los, in zügigem Trab/Gott sei’s gedankt, zunächst bergab./Doch schon bei Kilometer zwei/ist’s mit dem Flachlandsport vorbei/der Weg schraubt sich hinauf zur Höhe/ich nur mehr des Mitläufers Rücken sehe/und klar – der Saukerl sei verflucht – /dass jetzt die Plauderei er sucht./Ich schnaufe, bleibe die Antworten schuldig/Was denn los sei, forscht er ungeduldig./Er schmunzelt süffisant hinüber/“Geht es nicht etwas schneller, das wäre mir lieber“./Zum Glück entschädigt die Schönheit der Strecke/für sein Genecke an fast jeder Ecke./Ist Kassel auch sonst nicht gerade Paris/der Bergpark am Schlosse ist traumhaft, gewiss/Beinahe klischeehaft mutet’s hier an/mit Blumenpracht, Wasserspiel, Brücken und Schwan./Wenn nur die dämliche Steigung nicht wär/ich fühlte mich geradezu elitär./An Wilhelmsruh sind wir lang schon vorbei/dann seh‘ ich die Stufen/circa hundert mal drei…/Dass Steigen haben wir beide bald satt/doch belohnt für die Leiden der Blick auf die Stadt./Wie einst Rocky spring ich über die letzte Treppe/schön wär’s wenn ich Luft noch zum Jubeln hätte./Schnell ein Selfie, viel länger hält es uns nicht hier/auf waschechten Trails geht’s bergab ins Quartier/Das ist mein Gelände, hier bin ich mal fix/downhill stoppt ein Schwergewicht so schnell nix./Meinen Mitläufer martert die Muskulatur/Gott ist wahrlich gerecht, so denke ich nur./Wir erreichen den Hof im Morgenrot/was ein Quatsch – es ist hell und zudem ein Hotel./Shake hands und den Schritt Richtung Dusche gelenkt/wieder jeder für sich, nicht dass einer was denkt…/

Tja Maddin, hier endet das Versepos schon/besten Dank für Recherchen und Motivation!