Gut drauf beim letzten langen Lauf

Der letzte Halbmarathon in Mühlheim hat es klar gezeigt: Ganz verkehrt kann die diesjährige Vorbereitung auf den 35. Frankfurt Marathon nicht gewesen sein. Respice  finem sagt der Lateiner und was ich am Ende als Ertrag der gemäßigten Mühen erwarte, erscheint keineswegs überzogen. Es geht nicht darum, krampfhaft schneller zu werden. Die Fixierung auf irgendwelche neuen Bestzeiten, für die der ambitionierte Marathoni ohnehin nur ein mitleidiges Lächeln übrig hätte, hat mich schon einmal um die Freude am Lauf gebracht. Mir geht es 2016 darum, das Gefühl bei meinem ersten und dritten Frankfurt Marathon wieder zu finden. Es einfach laufen lassen, die Strecke und die Stimmung erleben und möglichst wenig zu marschieren. Soweit der Plan.

Hit the Road Jack - with my Süppelrucksack on my back
Hit the Road Jack – with my Süppelrucksack on my back

gut-drauf3Ob dies im Bereich des Möglichen ist, galt es am Sonntag, der mit herrlichem Herbstwetter aufwartete, ein letztes Mal zu überprüfen. Auch wenn sich die Trainingspläne für Marathon nicht ganz einig sind, sehen die meisten den letzten Lauf über mehr als die Halbdistanz für den vorletzten Sonntag vor dem Rennen vor. Die Strecke die ich mir ausgesucht habe, beginnt mit einer großen Runde im Günthersburgpark und führt danach auf dem Radweg bis ins Zentrum der Quellenstadt Bad Vilbel. Kurz vor der Unfallklinik am Huthpark treffe ich einen älteren Läufer mit Frika Triathlon Team-Trikot, der wie ein Uhrwerk eine 7er Pace abspult. Er hat bereits 17 Kilometer in den Beinen und eine kleines Stück Weg geht es mit einem Plausch gemeinsam dahin. Schon nach dem ersten Kilometer merke ich, dass mir die Fügung den perfekten Pacemaker an die Seite gestellt hat. Er bringt mich genau in den richtigen Rhythmus und das, obwohl er mit einer Zielzeit von unter vier Stunden läuferisch in einer anderen Klasse zuhause ist. Unweit der Heilsberg-Siedlung wünschen wir uns viel Erfolg für den 30.10. und jeder läuft wieder seiner Wege.

weiterlesen

Höhenflug des Kranichs: Crane Natural Running Schuhe Modell 2015

Gemeinhin prüft man Gegenstände auf Herz und Nieren, was jedoch bei Schuhen und anderen minder komplexen Dingen, die ganz sicher über keines der genannten Organe oder zumindest vergleichbare Innereien verfügen, ungeachtet des bloß übertragenen Sinnes, wenig passend erscheint. Wer will, sollte die Treter lieber auf Leisten, Zunge und Bänder testen, die im Organischen ihre Entsprechung haben.

Doch es geht es nicht um das sprichwörtliche Drumherum, das nichts weiter besagt, als dass es die Testenden genau genommen haben, sondern um den Test und dieser widmete sich einem Laufschuh vom Discounter.

img_0728
Nach 13 Monaten Dauerbelastung. Die gelöste Textilfolie über der Innensohle war beim Laufen nicht zu spüren.

 

Crane Natural Running Schuhe von Aldi Süd konnte man im Juni 2015 zu einem geradezu unanständig günstigen Preis von EURO 15,99 erwerben. Die Nachhaltigkeit der Produktion von Laufschuhen kann meines Erachtens auch bei einem hochpreisigen Modell getrost infrage gestellt werde, weshalb ich diesen Aspekt nicht in die Bewertung einfließen lasse. Es geht um die Qualität, die zu einem solchen Preis möglich ist und es erscheint prima specie mehr als geboten, an der Wertigkeit eines derart billigen Produkts zu zweifeln.

Bislang konnte ich einen weiteren Online-Produkttest zu einem Vorläufermodell des von mir gekauften Schuhs ausfindig machen. Meine Erfahrung stellt das diametrale Gegenteil zum Urteil dieses Testers dar.weiterlesen

Mühlheim 2016: Und ewig summen die Wälder…

Der Internationale Volkslauf in Mühlheim, integraler Bestandteil des Main Lauf Cup und in diesem Jahr zum 43. Mal ausgetragen, ist (wie nahezu alle Läufe dieser Serie) wert, gelaufen zu werden. Bis auf einen Streckenabschnitt von ca. 1,5 Kilometer entlang der Schnellstraße geht es ausschließlich durch Wälder um Mühlheim, Hanau und Obertshausen.  Am Ende der Halbmarathon-Strecke warten auf die Teilnehmer sogar richtige Trail-Passagen mit Stufen, Steinen, Brücken über kleine Gewässer und Pfade, die beinahe schon die Bezeichnung Singletrail verdienen. Oft geht es zudem bergab, was die Strecke grundsätzlich für neue persönliche Bestzeiten prädestiniert.

muelheim-2016-urkunde
Sub two – erstmals seit 2013

An diesem Sonntag macht der Sommer auf Herbst und bietet mit angenehmen Temperaturen unter 20 Grad Celsius und leichtem Nieseln auch witterungstechnisch Idealbedingungen für einen zügigen Halben. Entsprechend motiviert setzte sich das Feld in Bewegung und auch ich war – trotz der Tatsache, dass ich mich erst um Mitternacht und in zugegebenermaßen leicht weinseliger Stimmung spontan zur Teilnahme entschlossen hatte – guter Dinge und trabte zügig los. Adrenalin hatte ich auch genug in der Blutbahn, dennweiterlesen

Frankfurt im Oktober: 34 plus 5

Jeder, der zu Rechnen vermag, weiß, dass mit dieser Addition nicht die Strecke des Frankfurt Marathon gemeint sein kann; dennoch macht selbige Sinn, denn der 34. lange Lauf am Main war mein 5. ebenda und mithin das Bergfest auf dem Weg zur Mitgliedschaft im Frankfurt Marathon Club.

FM34 Finisher TrioPlaste statt Blech ist auch ein Motto: Keine Medaille, dafür nicht ganz blickdichte und keineswegs wärmende Mülltüten mit Skyline –Aufdruck.

Ich liebe den Frankfurt Marathon, aber ganz ehrlich: Sucht Euch schnellstmöglich einen neuen Hauptsponsor! Wir TeilnehmerInnen zahlen ein nicht ganz kleines Startgeld – u.a. für Wärmefolie und Finisher Medaille. Dass letztere nachgeschickt, graviert und was auch immer werden, ist egal, denn Ende November hängt sich keiner mehr die Dinger um den Hals. Mir tut es vor allem für die erstmaligen Finisher leid. Wenn gespart werden muss, dann spart meinetwegen im Printsektor bei den diversen Hochglanz-Heftchen und Büchern.

Erneut war das Dreigestirn der vergangenen Jahre mit am Start und im Ziel: Glückwunsch an Klaus (im Bild in der Mitte) und vor allem an Frauke zur tollen, neuen PB! Ein ganz besonderer Glückwunsch an Verena (im Bild ganz rechts), die ich 2014 bei ihrem Halbmarathon-Debut und nunmehr bei ihrer ersten Bewältigung der 42, 192 Kilometer begleiten durfte. Es war mir eine Ehre, auf den letzten Kilometern Dein Flügelmann zu sein! Und selbstredend Gratulation an Katja für ihr erstes Finish. Wie kann man nur nach so einem Lauf als erstes an eine Kippe denken?

Über diesen 34. Frankfurt Marathon gibt es mehr als genug zu berichten, daher zunächst ein Kurzkommentar zu den Schlagzeilen, die jeder, der sich für den Laufsport begeistert, längst aus zig Quellen kennt. Gratulation an den beeindruckenden Lauf zum neuen Deutschen Rekord an Arne Gabius. Als „this German guy“, wie ihn die Konkurrenz aus Afrika nennt, Vierter in diesem Feld zu werden, ist einfach unglaublich und aller Ehren wert. Hol Dir den nächsten Europameistertitel, Arne und viel Spaß bei den Olympischen Spielen! Den hätte jeder (und ich als alter Fulderaner ganz besonders) auch Lisa Hahner gegönnt. Warum kann sich der zuständige Dachverband einer Nation, die beim Marathon nicht für die ganz hohen Treppchen gebucht ist, nicht einfach freuen, wenn eine Läuferin aus der Heimat die weltweite Norm erfüllt? Wieso muss eine Schippe draufgelegt und einer so sympathischen und ambitionierten Zwillingsschwester wegen neun Sekunden ein Strich durch die Olympia Rechnung gemacht werden?

Ein weiteres Wort zur Causa Horst Jendrasch: Ein fitter Senior, der alle bisherigen Auflagen des ältesten deutschen City Marathons gefinisht hat, wird vom Besenwagen überholt. Dennoch ist er vor Torschluss in der Festhalle. Nach ein paar Tagen die offizielle Verlautbarung: Horst hat abgekürzt und die Rennleitung darüber informiert. Seine Serie ist unterbrochen, aber er behält seine ewige Startnummer und ist beim nächsten Mal willkommen. Soweit die Fakten. Dazwischen liegen tausende Beiträge in diversen Foren und Medien und das ständige „Disqualifiziert ihn“ aus vielen Mündern – besser: Tastaturen – erinnert ein wenig an die Passionsgeschichte. Empörung ist oft berechtigt; vielleicht macht es auch Freude, sich hin und wieder zu empören. Mein Vorschlag dennoch: Der Veranstalter werfe künftig den ersten Stein.

Jetzt aber zu den Eindrücken, die für den Läufer im letzten Drittel (der Zeit für sie hat) mehr bedeuten als alles andere. Zu den schönsten und besten zählen die Begegnungen mit den großen und vor allem kleinen Unterstützern an der Strecke (ein dickes Dankeschön an Charlotte, Pauline, Isabel, Ronald, Hanna, Frida, Gustaf, Annika und Maddin, das weißgewandete Diätprodukt auf zwei Reifen, noch dünner als er selbst).

FM34 KussKuss für die Gemahlin

FM34 41Handgreiflichkeiten zwecks Siegergeste: Verena und ich bei Kilometer 41

Ach ja: Diesmal war ich etwas später dran. Genauer: Einen Tag. Dennoch eine schöne, schnörkellose Startnummer für den 35. Frankfurt Marathon 2016:

StartnoFrankfurt

Noch weniger Zeit beim Lauf für mehr Zeit

zwei Jahre ist es her, dass ich beim Lauf für mehr Zeit am Ende der Fressgass in Richtung der Uhr über dem Zieleinlauf spähte und ungläubig eine Zeit unter 50 Minuten für den 10 Kilometer Lauf als möglich erkannte. Damals hatte ich auf den letzten Metern noch einmal alle Kräfte mobilisiert und (eklig aber den Tatsachen entsprechend) dicke Schaumbatzen ausgespien wie ein Kutschpferd in einem klassischen Gruselfilm bei der Hetzjagd über Bergstraßen in der Karpaten. Das Ergebnis damals war eine Netto-Zeit von 00:48:33 und eine knappe Stunde Todeserwarten, da mein Puls einfach nicht mehr runter wollte. Mit Schnappatmung torkelte ich an den Fressbuden vorbei (was bereits erkennen lässt, dass ich nicht mehr Herr der Lage war, denn nach einer solchen Zeit würde ich keine Fressbude auslassen). Ich sprach schließlich sogar mit einem der Rettungssanitäter, der aber keinen Hehl daraus machte, dass er lieber einem zwanzigjährigen, gertenschlanken Laufmagazin-Covergirl die Schenkel mit Franzbranntwein gekühlt oder die Knie verpflastert hätte, als einem schnaufenden Enddreißiger die Angst vor dem Kollaps zu nehmen.

Nach einem Aussetzer im vergangenen Jahr, war ich 2015 wieder am Start. Vielleicht war es die Performance der Calisthenics-Athleten im Rahmenprogramm, die mich zu Höchtleistungen animierte. Vielleicht auch der bis dato noch stabile Gewichtsverlust. Vielleicht die Stimmung im Läuferfeld; vielleicht, oder eher wahrscheinlich alles zusammen.

LfmehrZeit2015

Jedenfalls gelang es mir, meine Bestmarke um 32 Sekunden zu unterbieten. Das Beste daran: Der Puls war schon am Bierstand wieder im Normbereich und mithin gab es keinen Grund mehr, auch nur eine Fressbude links oder rechts liegen zu lassen. Ich freue mich schon auf das kommende Jahr…

Abbel – fertig – los: Berkersheim läuft zum zweiten Mal

Der Frankfurter Stadtteil Berkersheim ist das ideale Habitat für Menschen, die ein dörfliches Lebensgefühl mit der Anbindung an die Infrastruktur einer modernen Großstadt verbinden wollen. Dass es sich in Berkersheim nicht nur gut leben, sondern auch gut laufen kann, liegt aber nicht nur daran, dass man hier mit der Nidda und den parallel zum Fluss verlaufenden Radwegen ein prima Laufrevier vor der Nase hat.

Zum zweiten Mal fand in diesem Jahr der Abbel Lauf des TSV Berkersheim statt und dieses fruchtige Rennen ist zwar noch klein, was die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer anbelangt (2015 insgesamt 129), aber in Sachen Orga ähnlich gut aufgestellt wie die größeren Volksläufe – Zeitmessung per Chip in der Fußfessel eingeschlossen.

IMGP0518

42 StarterInnen nahmen die 10 Kilometer unter die Füße (Bilder vom Lauf: Holger Schröder / TSV Berkersheim)

Hauptlauf ist der 10 KM Run für den der nicht ganz ebene Rundkurs von 2,5 KM viermal bewältigt werden muss. Daneben finden ein Jedermann (5 KM) sowie ein Schüler (2,5 KM) und ein Bambinilauf (300 M) statt.

IMGP0687

Runde drei: Bauchfrei am Wasser vorbei

Auch in Berkersheim zeigten verminderte Umfänge im Bereich der Hüften und gesteigerte Umfänge im Training Auswirkungen in Form einer neuerlich verbesserten Zeit. Da schmeckte der Abbelwein und der Abbelkuchen nach dem Lauf gleich nochmal so lecker.

Abbel Lauf 2015

Der kleine, feine Run in Frankfurts dörflichstem Quartier ist es Wert, zu wachsen und zu reifen wie die namengebende Frucht. Es ist sehr erfreulich zu hören, dass der Veranstalter eine dritte Auflage ausrichtet. Einziges Manko in 2015: der Termin. Parallel zu einer Veranstaltung des Main-Lauf-Cups, dem Internationalen Volkslauf in Mühlheim, kann man als junges und nicht eben offensiv beworbenes Event kaum mit Riesenandrang rechnen.

Herkules_Collage_small

Herkules: Wasserspiele mit zwei Kerlen

wer angesichts der Überschrift die Hoffnung hegt, es ginge im Folgenden um die Beschreibung eines Erotik-Streifens der eher exotischen Art aus den frühen 80ern des vorigen Jahrhunderts, wird leider enttäuscht.

Herkules_Collage_small

Vielmehr gilt es von einem Run im Rahmen einer Dienstreise ins nördliche Hessen zu berichten. Näheres verkünden die folgenden vierhebigen Verse in grobschlächtigem Metrum:

Wer bei einer Körperschaft/mehr geistig als mit Körper schafft/tut gut daran in Morgenstunden/wenn noch im Schlafe liegt der Rest/er mit Elan das Bett verlässt/im Sportdress eilt zur Straße unten;/und lang vor der wicht’gen Versammelung/sich widmet der Leibes Ertüchtigung./Freund Martin hat mit Vorbedacht/uns eine Strecke mitgebracht/Dank GPS und Google-Map/scheucht er mich auf die Gass – der Depp!/Viel Höhenmeter und lange Distänzen/wen wunderts – Adonis will neuerlich glänzen./Es nieselt leise und ist schwül/ich schwitz schon, er wirkt frisch und kühl./Knopfdruck und los, in zügigem Trab/Gott sei’s gedankt, zunächst bergab./Doch schon bei Kilometer zwei/ist’s mit dem Flachlandsport vorbei/der Weg schraubt sich hinauf zur Höhe/ich nur mehr des Mitläufers Rücken sehe/und klar – der Saukerl sei verflucht – /dass jetzt die Plauderei er sucht./Ich schnaufe, bleibe die Antworten schuldig/Was denn los sei, forscht er ungeduldig./Er schmunzelt süffisant hinüber/“Geht es nicht etwas schneller, das wäre mir lieber“./Zum Glück entschädigt die Schönheit der Strecke/für sein Genecke an fast jeder Ecke./Ist Kassel auch sonst nicht gerade Paris/der Bergpark am Schlosse ist traumhaft, gewiss/Beinahe klischeehaft mutet’s hier an/mit Blumenpracht, Wasserspiel, Brücken und Schwan./Wenn nur die dämliche Steigung nicht wär/ich fühlte mich geradezu elitär./An Wilhelmsruh sind wir lang schon vorbei/dann seh‘ ich die Stufen/circa hundert mal drei…/Dass Steigen haben wir beide bald satt/doch belohnt für die Leiden der Blick auf die Stadt./Wie einst Rocky spring ich über die letzte Treppe/schön wär’s wenn ich Luft noch zum Jubeln hätte./Schnell ein Selfie, viel länger hält es uns nicht hier/auf waschechten Trails geht’s bergab ins Quartier/Das ist mein Gelände, hier bin ich mal fix/downhill stoppt ein Schwergewicht so schnell nix./Meinen Mitläufer martert die Muskulatur/Gott ist wahrlich gerecht, so denke ich nur./Wir erreichen den Hof im Morgenrot/was ein Quatsch – es ist hell und zudem ein Hotel./Shake hands und den Schritt Richtung Dusche gelenkt/wieder jeder für sich, nicht dass einer was denkt…/

Tja Maddin, hier endet das Versepos schon/besten Dank für Recherchen und Motivation!

Crane_NRLH_1

Ja und nicht Ja: Eine Meditation zum Thema Natural Running

Als in grauer Vorzeit die Gattung  Mensch den Plan der Schöpfung betrat, waren die ihr zugehörigen Individuen nackt – von einer dem Grad nach stärkeren Behaarung einmal abgesehen. Diese Nacktheit und damit einhergehend eine gewisse Schutzlosigkeit kompensierte der fälschlicherweise als Mängelwesen bezeichnete homo sapiens durch sein natürliches Potential, sich durch Gebrauch seines Verstandes zu kultivieren und dadurch jedwedem Mangel abzuhelfen. Dank seiner kognitiven Fähigkeiten und eines hochgradig effizienten Bewegungsapparates war der Mensch ein erfolgreicher Jäger und vermochte trotz widriger Bedingungen zu überleben und sich an der Spitze der Nahrungskette zu etablieren. Erwies sich ein Teil seiner naturgegebenen Grundausstattung – etwa die für stundenlanges, zügiges Laufen und Gehen geschaffenen Füße – in gewissen Situationen als verbesserungsbedürftig – etwa bei Eiseskälte und scharfkantigen Untergründen – dachte der homo nach und band sich im Anschluss ein Stück Baumrinde oder dickes Leder mittels Textilstreifen unter die Fußsohlen. Der Schuh war geboren. Eine Schutzschicht für die Füße bei ihrer ganz natürlichen Laufbewegung.

Dummerweise dachte der Mensch immer weiter nach und entfernte sich im Zuge der Kultivierung zusehends von der bloßen Zweckmäßigkeit seiner Erfindungen. Der Grundsatz form follows function galt nicht für die Kleiderungetüme des Rokoko oder für Schuhe, die den Fuß verkrüppeln ließen um dem Schönheitsideal winziger Trippelfüßchen zu entsprechen. Die freie Martktwirtschaft mit ihrem Drang zu exponentiellem Wachstum tat ihr Übriges, um den Gegenstand des Gebrauches und auch den Gebrauch selbst immer wieder neu zu definieren – ob er dadurch wirklich brauchbarer wurde sei dahingestellt.

Auch bei Laufschuhen ist dies zu bemerken. Es gibt Trends und Paradigmenwechsel und den gleichzeitigen Fortbestand einander widersprechender Ansätze. Der Konsument steht vor Regalen mit der vierzehnten Auflage eines dämpfungsoptimierten Erfolgsmodells mit jeder Menge stützenden und korrigierenden Elementen und einem riesigen Höhenunterschied zwischen Ferse und Vorfuß und daneben einem fadenscheinigen, materialarmen Schuhchen mit einer vollends flachen Sohle zum Wiedereinstieg ins Paradies naturgegebenen Laufens.

Wer nun denkt, der vernünftige Schritt zurück zur Natur sei das Ende der etablierten Laufschuhe, hat seine Rechnung ohne die Industrie gemacht. Sie will, dass der Läufer beides kauft. Die Botschaft lautet in Kurzfassung: Ja liebe Läufer, barfuß ist eigentlich besser, aber uneigentlich so etwas wie eine Krankheit. Sobald ihr länger lauft, wie es die Natur vorgesehen hat, reißt Eure Achillessehne ab oder ihr ruiniert Eure Knöchel und Sehnen. Ein Horrorszenario. Die wirtschaftliche Lösung: Wir verkaufen Euch den naturnahen Laufschuh als trendige Ergänzung und als Bewegungs-Lernschuh. Wir legen Euch nahe, ihn zu kaufen und machen gleichzeitig Angst davor, ihn als alleinigen Laufschuh zu verwenden. Bloß nicht nur und nur nicht zu lange: so unken Experten und machen uns bange.

Und hier ist die Cleverness der Industrie noch nicht am Ende, denn neben den Beschwörungen verschiedener Verletzungen beim Natural Running erinnern die meisten hierfür geschaffenen Schuhe ungeachtet des hohen Preises an bessere Socken. Dünnes Textil für den vorsichtigen Fünfer bei Sonnenschein.

Mir reicht es jetzt. Ich laufe seit Jahren in der Freizeit auf Schuhen ohne Sprengung, bin barfuß bereits längere Strecken gerannt, laufe seit ich denken kann primär auf dem vorderen Fuß und sehne mich nach einem weniger klobigen Treter. Also mache ich ein Experiment – und teste den derzeit günstigsten Natural Running Schuh am Markt.

Crane_NRLH_1

Der Kranich von Aldi Süd lässt grüßen. Seit heute Mittag bin ich im Besitz eines Paares Natural Running Laufschuhe für Herren von Crane, Größe 45 zum Preis von gerade einmal 15,99€!

Testbericht und klinisches Bildmaterial von Sehnenabriss und Ermüdungsbrüchen folgen in Bälde.

 

 

 

LFM

Lauf für Mehrsprachigkeit Ginnheim: Kind und Kegel mit guter Performance

Das Kind ist meine Tochter, die mir ihren viereinhalb Jahren ihren vierten Bambinilauf und ihre zweite Teilnahme an der Ginnheimer Veranstaltung absolvierte. Wie immer mit jeder Menge Spaß an der Sache und einem sehr schönen Laufstil. Besagter Kegel bin ich. Derlei Gegenstände sind bekanntlich in der Mitte am ausladendsten. Dennoch zeigte sich erste Erfolge der in Angriff genommenen Ernährungsumstellung. Zwar ist das Ergebnis des 10 Km Laufs noch Lichtjahre von meiner PB von 00:48:33 aus 2013 entfernt und derlei Zeiten waren im Training die Regel, aber dies liegt zwei Jahre in der Vergangenheit und in dieser Zeit ist leider Gottes Vieles passiert. Man kann auch sagen: Vieles hat meine Verdauungsorgane passiert und hat sichtbare Spuren hinterlassen.

Ich werte dieses Ergebnis als positiven Anreiz. Immerhin Platz 149 von 226 und somit unteres Mittelfeld. Schau mer ma, wie es in den kommenden Wochen weitergeht

LFM

Infos zum Lauf:

Der Lauf für Mehrsprachigkeit, der erstmals 2013 ausgetragen wurde, wirbt auf sportliche Weise für eine sehr schöne Idee: Wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen und Sprachgrenzen durchlässig werden, wächst durch das bessere Verstehen zugleich ein Verständnis für kulturelle Unterschiede. Sprache ist Kulturträger und somit ebnet Mehrsprachigkeit in einer multikulturellen Gesellschaft den Weg hin zu einer interkulturellen Gemeinschaft.

Der Lauf findet jedes Jahr im April im Niddapark am Ginnheimer Wäldchen in Frankfurt Ginnheim statt. Neben den Hauptläufen über fünf und zehn Kilometer gibt es Schüler und Bambiniläufe für unterschiedliche Altersstufen. Zwar habe ich die letzteren etwas chaotischer als etwa in Hausen oder Rodheim erlebt; die kleinen Mängel hinsichtlich der Orga werden aber durch das liebevolle Drumherum wie etwa die tollen Shirts und Finisher-Beutel für die Kleinsten allemal wettgemacht. Überhaupt gleicht das Rahmenprogramm einem farbenfrohen und abwechslungsreichen Fest mit charmanten Acts wie Volkstanz-Performances.

Die 2-Runden Strecke durch das Ginnheimer Wäldchen ist sehr gut zu laufen und abwechslungsreich. Trotz ein paar Höhenmetern sind hier schnelle Zeiten möglich. Besonders toller Service: Kollektives Dehnen unter professioneller Anleitung nach dem Hauptlauf!

Duschen und Umkleiden sind vorhanden. Die Startnummernausgabe läuft ungeachtet der engen Räumlichkeiten schnell und problemlos.

Nächster Lauf für Mehrsprachigkeit: Sonntag, 24. April 2016

Webseite der Veranstaltung

 

EVO Wasserlauf Seligenstadt: Das Wasser lief aus allen Poren…

Was soll man sagen… Ich habe derzeit mehr als nur mein Schicksal zu tragen. Dementsprechend verlief auch die Leistungskurve bei der schönen Veranstaltung am Main mit dem ersten längeren Wettkampf der Saison.

Nach genau 15 Km erfolgte der Einbruch und der Rest der Strecke war von nichts weiter entfernt, als von elegantem, leichtfüßigen und Freude bringendem Laufsport.

evo

Fazit: Es muss nun definitiv etwas geschehen, denn obendrein gab es Bilder zu sehen… Ich werde den Teufel tun, und etwas davon an dieser Stelle posten. Wer begierig ist, einen Speck… pardon… Schreck zu bekommen, möge in jenem Medium Nachsuche halten, das bekanntlich und bedauerlicherweise nichts vergisst.