Kategorie: Allgemein

Wikinger werden macht morgens Beschwerden

Ich habe nicht gedient. Einerseits, weil ich zum Zeitpunkt meiner ersten und zweiten Musterung noch mehr als 130 Kilo auf den Hüften hatte; zum andern, weil ich mit nur einem Satz erfolgreich verweigert habe (zugegeben: besagter Satz hatte eine ganze Menge Kommata). Doch warum? Aus überzeugtem Pazifismus? Nunja… wenn ich in der rush hour Auto fahre habe ich mit Gandhi soviel gemein, wie ein Puritaner mit Charles Bukowsky…. Warum also?

Wenn ich in ehrlichen Momenten tief in mein Gemüt blicke, steht mir der Grund meines Rückziehers vor Augen: Ich hatte Bammel vor der infanteristischen Ausbildung auf der Kampfbahn. Gräben mit Schlamm und Unrat. Meterhohe Hindernisse aus hartem Holz, die man mit voller Montur überwinden muss; umringt von brüllenden Kämpfern denen die Schinderei einen Heidenspaß bringt. Hitze, Kälte, Stacheldraht, bräunliches Wasser, dass an einem runterläuft und das Schlimmste: Sprünge aus schwindelnder Höhe ins nasse Ungewisse.

Umso befremdlicher, dass ich im gesetzten Alter darauf hinarbeite, mich auf ein Abenteuer vorzubereiten, das von all diesen fragwürdigen Freuden reichlich bereithält: ein Hindernis-Lauf. Genauer der Strong Viking 2017 Water Edition in Frankfurt. Nachdem erste Anläufe zu einem solchen Unterfangen an diversen Gründen gescheitert waren, soll es dieses Jahr klappen. In genau zwei Monaten geht es an den Start und beim Betrachten der Videos im Web werden schon jetzt die Handflächen feucht (noch sind es zum Glück nur die Handflächen…).

Um nicht völlig elend vor dem ersten Hindernis zu verweilen, bis mich der Zielschluss von der Schmach erlöst, läuft die Vorbereitung und was könnte neben vielen Läufen besser sein als Bodyweight Training mit Burpees, Klimmzügen, Liegestützen und dergleichen? Nichts. Also ab  auf den Bauch, in die Hocke und wieder hoch. 25 mal, 50 mal, 100 mal.

Perfekte Unterstützung beim Vorbereiten und auch beim Lauf selbst bietet die Frankfurter Freeletics Community. Vor allem die FRA FREELETICS Early Birds, die mehrmals die Woche zu nachtschlafener Zeit die Bolzplätze an der neuen EZB heimsuchen, um es krachen zu lassen. Die meisten in der Gruppe sind schon alte Häsinnen und Hasen in Sachen obstacle running. Ob mich das Training auch nach Walhall bringen wird (vor allem lebend), entscheidet sich Anfang Juni. AARHUU!!!

Hier ein paar Impressionen aus den letzten Wochen:

Gut drauf beim letzten langen Lauf

Der letzte Halbmarathon in Mühlheim hat es klar gezeigt: Ganz verkehrt kann die diesjährige Vorbereitung auf den 35. Frankfurt Marathon nicht gewesen sein. Respice  finem sagt der Lateiner und was ich am Ende als Ertrag der gemäßigten Mühen erwarte, erscheint keineswegs überzogen. Es geht nicht darum, krampfhaft schneller zu werden. Die Fixierung auf irgendwelche neuen Bestzeiten, für die der ambitionierte Marathoni ohnehin nur ein mitleidiges Lächeln übrig hätte, hat mich schon einmal um die Freude am Lauf gebracht. Mir geht es 2016 darum, das Gefühl bei meinem ersten und dritten Frankfurt Marathon wieder zu finden. Es einfach laufen lassen, die Strecke und die Stimmung erleben und möglichst wenig zu marschieren. Soweit der Plan.

Hit the Road Jack - with my Süppelrucksack on my back
Hit the Road Jack – with my Süppelrucksack on my back

gut-drauf3Ob dies im Bereich des Möglichen ist, galt es am Sonntag, der mit herrlichem Herbstwetter aufwartete, ein letztes Mal zu überprüfen. Auch wenn sich die Trainingspläne für Marathon nicht ganz einig sind, sehen die meisten den letzten Lauf über mehr als die Halbdistanz für den vorletzten Sonntag vor dem Rennen vor. Die Strecke die ich mir ausgesucht habe, beginnt mit einer großen Runde im Günthersburgpark und führt danach auf dem Radweg bis ins Zentrum der Quellenstadt Bad Vilbel. Kurz vor der Unfallklinik am Huthpark treffe ich einen älteren Läufer mit Frika Triathlon Team-Trikot, der wie ein Uhrwerk eine 7er Pace abspult. Er hat bereits 17 Kilometer in den Beinen und eine kleines Stück Weg geht es mit einem Plausch gemeinsam dahin. Schon nach dem ersten Kilometer merke ich, dass mir die Fügung den perfekten Pacemaker an die Seite gestellt hat. Er bringt mich genau in den richtigen Rhythmus und das, obwohl er mit einer Zielzeit von unter vier Stunden läuferisch in einer anderen Klasse zuhause ist. Unweit der Heilsberg-Siedlung wünschen wir uns viel Erfolg für den 30.10. und jeder läuft wieder seiner Wege.

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Das erste Mal

(während eines schönes Laufs über 10,6 Kilometer am Ufer des Mains; anlässlich der ersten Berührung mit der neuen Mainquerung derselben zugeeignet)

Bridge-overReizvoll spreizen breiter Schenkel Enden,

im höchsten Punkt geeint sich zu verjüngen,

ich trabe an, es pocht in Leib und Lenden,

ihr Bogen wölbt sich federnd meinen Sprüngen,

schon hab auf ihr den Gipfel ich erklommen,

sanft fällt sie ab, die Erde hat mich wieder,

noch bebt es leis im Netz gespannter Glieder,

ich kam zum ersten Mal – ich werde wieder kommen.