Kategorie: Frankfurt Marathon

Im Schatten der Zahl oder Bong, Bong Luftballon

Läuferregeln wie diese drücken es klar und deutlich und zudem in Reimform aus: „Sparst Du im Vorfeld die langen Läufe, kommst Du vom Regen in die Träufe“ oder „Viermal über dreißig muss sein, sonst martert Dich der Schmerz im Bein“ oder auch „Zuwenig Strecke in den letzten Wochen und Du kommst zur Ziellinie gekrochen“ – dies ließe sich geradezu endlos fortführen. Die Vermehrung der Worte vermehrt dabei aber nicht den Sinn. Was alle diese Regeln, die schon vom Versmaß her einem Krampf gleichkommen, besagen, ist stets ein und dasselbe: Wer in der Marathonvorbereitung zu wenig Kilometer abspult wird nicht nur leiden, sondern auch spätestens bei Erreichen der Halbdistanz jede Bestzeithoffnung in die sprichwörtliche Tonne klopfen.

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Ich kann nur sagen: stimmt. Und zudem ist bei einem Marathon auch im hinteren Teil des Feldes nichts planbar.

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Frankfurt im Oktober: 34 plus 5

Jeder, der zu Rechnen vermag, weiß, dass mit dieser Addition nicht die Strecke des Frankfurt Marathon gemeint sein kann; dennoch macht selbige Sinn, denn der 34. lange Lauf am Main war mein 5. ebenda und mithin das Bergfest auf dem Weg zur Mitgliedschaft im Frankfurt Marathon Club.

FM34 Finisher TrioPlaste statt Blech ist auch ein Motto: Keine Medaille, dafür nicht ganz blickdichte und keineswegs wärmende Mülltüten mit Skyline –Aufdruck.

Ich liebe den Frankfurt Marathon, aber ganz ehrlich: Sucht Euch schnellstmöglich einen neuen Hauptsponsor! Wir TeilnehmerInnen zahlen ein nicht ganz kleines Startgeld – u.a. für Wärmefolie und Finisher Medaille. Dass letztere nachgeschickt, graviert und was auch immer werden, ist egal, denn Ende November hängt sich keiner mehr die Dinger um den Hals. Mir tut es vor allem für die erstmaligen Finisher leid. Wenn gespart werden muss, dann spart meinetwegen im Printsektor bei den diversen Hochglanz-Heftchen und Büchern.

Erneut war das Dreigestirn der vergangenen Jahre mit am Start und im Ziel: Glückwunsch an Klaus (im Bild in der Mitte) und vor allem an Frauke zur tollen, neuen PB! Ein ganz besonderer Glückwunsch an Verena (im Bild ganz rechts), die ich 2014 bei ihrem Halbmarathon-Debut und nunmehr bei ihrer ersten Bewältigung der 42, 192 Kilometer begleiten durfte. Es war mir eine Ehre, auf den letzten Kilometern Dein Flügelmann zu sein! Und selbstredend Gratulation an Katja für ihr erstes Finish. Wie kann man nur nach so einem Lauf als erstes an eine Kippe denken?

Über diesen 34. Frankfurt Marathon gibt es mehr als genug zu berichten, daher zunächst ein Kurzkommentar zu den Schlagzeilen, die jeder, der sich für den Laufsport begeistert, längst aus zig Quellen kennt. Gratulation an den beeindruckenden Lauf zum neuen Deutschen Rekord an Arne Gabius. Als „this German guy“, wie ihn die Konkurrenz aus Afrika nennt, Vierter in diesem Feld zu werden, ist einfach unglaublich und aller Ehren wert. Hol Dir den nächsten Europameistertitel, Arne und viel Spaß bei den Olympischen Spielen! Den hätte jeder (und ich als alter Fulderaner ganz besonders) auch Lisa Hahner gegönnt. Warum kann sich der zuständige Dachverband einer Nation, die beim Marathon nicht für die ganz hohen Treppchen gebucht ist, nicht einfach freuen, wenn eine Läuferin aus der Heimat die weltweite Norm erfüllt? Wieso muss eine Schippe draufgelegt und einer so sympathischen und ambitionierten Zwillingsschwester wegen neun Sekunden ein Strich durch die Olympia Rechnung gemacht werden?

Ein weiteres Wort zur Causa Horst Jendrasch: Ein fitter Senior, der alle bisherigen Auflagen des ältesten deutschen City Marathons gefinisht hat, wird vom Besenwagen überholt. Dennoch ist er vor Torschluss in der Festhalle. Nach ein paar Tagen die offizielle Verlautbarung: Horst hat abgekürzt und die Rennleitung darüber informiert. Seine Serie ist unterbrochen, aber er behält seine ewige Startnummer und ist beim nächsten Mal willkommen. Soweit die Fakten. Dazwischen liegen tausende Beiträge in diversen Foren und Medien und das ständige „Disqualifiziert ihn“ aus vielen Mündern – besser: Tastaturen – erinnert ein wenig an die Passionsgeschichte. Empörung ist oft berechtigt; vielleicht macht es auch Freude, sich hin und wieder zu empören. Mein Vorschlag dennoch: Der Veranstalter werfe künftig den ersten Stein.

Jetzt aber zu den Eindrücken, die für den Läufer im letzten Drittel (der Zeit für sie hat) mehr bedeuten als alles andere. Zu den schönsten und besten zählen die Begegnungen mit den großen und vor allem kleinen Unterstützern an der Strecke (ein dickes Dankeschön an Charlotte, Pauline, Isabel, Ronald, Hanna, Frida, Gustaf, Annika und Maddin, das weißgewandete Diätprodukt auf zwei Reifen, noch dünner als er selbst).

FM34 KussKuss für die Gemahlin

FM34 41Handgreiflichkeiten zwecks Siegergeste: Verena und ich bei Kilometer 41

Ach ja: Diesmal war ich etwas später dran. Genauer: Einen Tag. Dennoch eine schöne, schnörkellose Startnummer für den 35. Frankfurt Marathon 2016:

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Per aspera ad astra: Vom Krampf zum Siech

Laufberichte schreiben sich leichter, wenn man das, worüber man berichtet unter der Rubrik Erfolge abheften kann. Im Fall des Frankfurt Marathon 2014 bin ich mir bezüglich dieser Frage nicht wirklich sicher.

Die gewisse Ambivalenz zieht sich regelrecht durch: Bedingungen vor dem Start einerseits besch…en im wahrsten Sinne, denn ein seit gerademal gut drei Tagen ausgestandener Magen-Darm Infekt (glücklicherweise ohne Fieber) hat mir genug Salze entzogen, um damit zwei Mastschweine einzupökeln. Hier helfen auch diverse Brausepillen mit Elektrolyten nicht wirklich weiter. Andererseits geradezu ideal, denn neben Salzen und Kräften hat die diarrhoetische Verödung meines Organismus auch den Gewichtsverlust beschleunigt. Verzicht auf vergorene Getränke und Virus bringen ein Minus von knapp vier Kilogramm beim Startgewicht. Auch die Witterung passt zu einem erfolgreichen Marathon: Nicht zu warm, nicht zu kalt und im Vergleich zum Vorjahr nahezu windstill.

Vorher2014

Meine hochgeschätzten Mitläufer des Rodheim-Trios, Frauke und Klaus, haben hohe Ziele gesteckt. Die 04:30er Marke soll gerissen werden. Ich bin schon im Voraus mit Blick auf meinen Trainingszustand realistisch genug, mich im Startblock weit hinter dem 04:29 Ballon, aber noch weit genug vor dem 04:59 Ballon einzuordnen. Die Stimmung am Start ist gut, was ich auch dem tollen Service meines Vereins Spiridon Frankfurt verdanke, die für die Starter aus den Reihen der Mitglieder auch 2014 wieder eine Lounge im Maritim Hotel direkt an der Messehalle angemietet haben. Kein Schlangestehen vor den Dixi-Häuschen. Stattdessen Getränke frei, beheizte, duftende WCs für die notorischen Stresspinkler, Blick durch die Panorama-Glasfront auf das Getümmel draußen und motivierende Ansprachen von erfahrenen Sportskollegen.

Nach dem Startschuss für die langsameren Blocks und dem Überschreiten der Linie nach einer gefühlten Ewigkeit konzentriere ich mich auf meine Pace und die Zwischenzeiten. Ziel ist neue Bestzeit unter 04:45:09 und ich laufe konstant und mit einem guten Gefühl. Die ersten 13 Kilometer durch die Bankenmetropole machen Spaß und ich bin guter Dinge. Nervig ist nur der Trinkgürtel, den ich erst ganz kurz vor dem Lauf erstanden habe. Durch das Gewicht der hopsenden Flaschen habe ich Schmerzen am Ischias wie eine Hochschwangere. Na bravo! Ich ignoriere die ersten Wasserstellen und sehe zu, dass ich die Dinger leergesüppelt bekomme. Verglichen mit dem, was später kommt, ist dieses Zwicken am Hintern ein Luxusproblem erster Güte. Auf mich wartet ein Hammermann der besonderen Art. Wir treffen uns etwa bei der Halbdistanz. Sein Name: Muskelkrampf und zwar in beiden Oberschenkeln – am heftigsten auf der Innenseite Richtung Knie. Der Salzverlust fordert seinen Tribut.

Ich habe seit ich laufe noch keinen solchen Mist erlebt. Der Gedanke an den Ausstieg war noch nie so nahe. Zum ersten Mal nehme ich die grünen Busse an der Strecke bewusst wahr. Ich schleppe mich vorwärts und muss immer wieder marschieren. Schon lange vor der Schwanheimer Brücke reiße ich mir frustriert das Zwischenzeiten-Bändchen vom Arm und dieser Akt der Resignation bewahrt mich vermutlich vor Schlimmerem, denn ab jetzt bin ich trotz des permanenten Ziehens in den Beinen ruhiger. Gehen beim Marathonlauf ist elend, aber das Ziel ist die Festhalle, Bestzeit hin oder her, also nichts riskieren und weiter voran. Voller Angst, meiner Nemesis zu begegnen (wer hier gemeint ist, kann sich der geneigte Leser aus früheren Beiträgen unschwer erschließen) trabe ich verbissen über die Brücke und durch die Altstadt von Höchst – eigentlich ein Teil des Laufs, der mir sehr gut gefällt, doch die Fähigkeit, das Rennen zu genießen, ist mir vollends abhanden gekommen. Bei Kilometer 29 warten Familie und Freunde (THX an Annika, Frida, Gustaf, Isabel, Charlotte, Verena, Ronald und seine Freundin). Ich quäle mir ein Lächeln ab und Verena läuft ein Stück neben mir her. Kaum außer Sicht der frohen Truppe ist wieder Gehpause angesagt. Wie hohnlachende gelbe Gespenster ziehen kurz darauf die 04:59 Ballons und die zugehörige Läufertruppe an mir vorbei. Dennoch geht es irgendwie voran und die langweilige Mainzer Landstraße ist nicht einmal der schlimmste Teil der Strecke. Ich glotze wie im Delirium auf die Hagebutten am Wegesrand (ein Anblick, der mich aus gänzlich unerfindlichen Gründen beruhigt, was im Nachhinein eher beunruhigend ist…) und trabe mit schmerzenden Oberschenkeln schicksalsergeben weiter. Böse wird es erst bei Kilometer 36. Aufgrund einer Änderung im Streckenverlauf kommen die Läufer schon hier das erste Mal direkt an der Messehalle vorbei. Minutenlang beobachte ich Teilnehmer, die in Richtung roter Teppich abbiegen. Alle mit einer durchaus passablen Zeit unter 04:30. Ich hingegen habe noch grässliche sechs Kilometer vor mir. Zumindest denke ich das in diesem Moment.

Schlussendlich sind die letzten zwei davon allem Übel zum Trotz ein Genuss. Mit dem Schmerz habe ich abgeschlossen. Er hat mich nicht besiegt – soll er weiterwühlen, das Finish wird mir niemand mehr nehmen. Zwei nette Mädels mittleren Alters beenden durch eine einladende Geste meine letzte Gehpause vor dem Ziel: Komm mit, wer bis hierher gekommen ist, geht nicht in die Halle!

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Auf den 200 Metern vor dem Abbiegen in Richtung Halleneingang komme ich noch einmal an unseren Supportern vorbei und jetzt kann ich mich endlich richtig mit ihnen freuen. Im bunten Licht geht es auf dem roten Teppich und an den Cheerleadern vorbei über die Ziellinie. Die Uhr steht bei 05:18:20. Indiskutabel, aber das vierte Finish auf dem Weg zur Mitgliedschaft im Frankfurt Marathon Club ist geschafft.

Nachbetrachtungen folgen in Kürze…

Waterloo – couldn’t escape…

Bei dem Begriff Waterloo denken Touristen an eine historisch relevante Gemarkung in Brabant, Alt-Popper an den Evergreen eines inzwischen Fischpaste produzierenden Pop-Quartetts aus Skandinavien, des Englischen mäßig mächtige Menschen an ein Slangwort für ein Klo mit Wasserspülung und irgendwie Alle an ein Synonym für eine Niederlage vernichtenden Charakters.

Dummerweise ist mein Weg in Richtung viertes Finish beim Frankfurt Marathon von Waterloos im letztgenannten Sinne gepflastert. Ich laufe, aber es läuft nicht – wenn wir vom Schweiß absehen.

Im Waterloo-Szenario mime ich den fetten (wenngleich hochgewachsenen) und mit Frau und Kindern versehenen Korsen Bonaparte, der von einem drahtigen Single-Wellington wiederholt vernichtet wird. Letzterer sitzt zwar gewöhnlich in der Bio-Sauna auf den Bodenplatten nahe der Tür, um nicht von Plümeranz dahin gerafft zu werden; hat aber aufgrund seines mindergebundenen Sozialstatus ausreichend Zeit, seine hagere Physis in der Muckibude und auf dem Rad exzessiv zu stählen. Meine so beschaffene Nemesis  – derzeit noch mein bester Freund – hat es sich zum traurigen Lebenszweck gemacht, mich immer wieder Demut zu lehren, was dem Katholiken, der ich bin, durchaus frommt, aber dennoch Qualen bereitet.

Wie will man als willensschwacher Familienvater mit einem Menschen konkurrieren der den Anstieg zum Marburger Kaiser Wilhelm Turm hinaufrennt, ohne zu schwitzen und dabei noch an sein Aussehen beim Foto-Finish denkt?

KWT-Duo

Juli 2014: Nachdem ich mich dehydriert und entkräftet auf ansteigenden Serpentinen verirrt hatte, traf ich am Gipfel Antonio Banderas Double mit einem Omaschlüpfer auf dem Kopf. Ich dachte, ich halluziniere, aber der Selfie zeigt die objektive Realität.

Die Liste der Niederlagen ist lang. Mehrfache Züchtigung durch den obgenannten Kollegen. Halbmarathonzeiten von 02:11 beim Volkslauf in Rosbach-Rodheim, wo es mir im vergangenen Jahr erstmals vergönnt war, die zwei-Stunden-Grenze zu unterbieten; hierzu gehören ausgedehnte Gehpausen in der zweiten Runde und die Begegnung mit einem drahtigen Opa, der mich beim Erreichen der letzten Trinkstation wie folgt aufmunterte: „Jung du braachst Elektrolüdde. Da rennense los wie die Debbe unn mache alles falsch. Wenn die Bei laafe solle, muss dess Blut fliese. Gebt dem Käll ma Elektrolüdde und dann schöö weider trabe. Is nemmä weit!“. Ich hätte dem Opa gerne gesagt, dass ich den Marathon bislang auch ohne seine Sch…elektrolyte beenden konnte, aber dummerweise war ich so dehydriert, dass mein Mundwerk nur leise raschelte, wie eine alte, vergilbte Zeitung.

In summa: Ich bin zu schwer, um schnell zu sein, aber zugleich zu ehrgeizig, um stehen zu bleiben. Wo Schlankere sich klassifizieren, kann ich einzig durch Härte im Leiden brillieren. Was liegt da näher, als die kleinstmögliche Ultra-Distanz (50 Kilometer) im Wettkampf zu probieren?

Es gibt Jemanden, dem ich liebend gerne eine Teilnahme an den zehnmal fünf Kilometern in Rodgau im kommenden Januar spendieren würde… Ich stehe seit vier Wochen auf der Teilnehmerliste und da ist noch reichlich Platz.

Doppelter Hattrick: Drittes Mal Bestzeit, drittes Mal Frankfurt

„Können Sie Finnisch?“ – „Na klar! Am besten das echte Frankfurter Finish!“ Wenngleich dieser Dialog wahrscheinlich niemals stattgefunden hat, entbehrt er doch nicht des Bezugs zur Realität. Am vergangenen Sonntag, den 27. Oktober 2013 haben rund 11.000 Läuferinnen und Läufer aller Alters-, Leistungs- und Gewichtsklassen gezeigt, wie gut sie das Frankfurter Finish beherrschen. Drei davon waren die Rodheim-Veteranen Frauke, Klaus und ich. Damit ist für mich knapp ein Drittel des Weges zur ewigen Startnummer und Mitgliedschaft im exklusiven Frankfurt Marathon Club geschafft und der Traum, irgendwann mit drahtigen Greisen hinter einer Plexiglasscheibe auf einer Tribüne der Festhalle zu sitzen und von den hübschen, barbäuchigen Cheerleadern, die sonst den Zieleinlauf säumen, Edelpasta auf Porzellantellern gereicht zu bekommen, während sich unten in der Halle die Plebs um den letzten Parmesan balgt, ist ein kleines Stück näher gerückt.

Als neues Mitglied von Spiridon Frankfurt e.V. konnte zumindest ich mich schon über einen Vorgeschmack der Exklusivität freuen, denn anstatt mit hunderten nervösen Läufern vor den Toiletten anzustehen, trafen sich die Spiridonis im Maritim Hotel, wo der Verein eine Lounge angemietet hatte – inklusive Freigetränken und freier WCs um selbige wiederum abzusondern. Der Versuch, sich im Zuge der Kleiderabgabe mit Klaus und Co. zu treffen war ohnehin vereitelt worden, denn wer versucht, vor dem Start des Frankfurt Marathons in der Messe mit einem Handy zu telefonieren, könnte dasselbe auch auf dem Rollfeld des Flughafens probieren. Also lungerte und laberte ich in der Lounge herum und ließ mich mit den anderen blaugelbgewandeten Startern ablichten. Irgendwann kam die Kurznachricht: „10:30 Uhr am Eingang Festhalle Startblock“.

Ich fand mich dort ein und wir fanden einander. Klaus und ich vor dem bereits heftig wehenden Wind durch eine schmucke Plastiktüte mit Armlöchern und Runners Point-Aufdruck geschützt, wie das Gros der umgebenden Starterschar. Was beim Auf- und Abstehen im Bereitschaftsraum des hintersten Startblocks noch begeisterte, entlockte uns, eine gefühlte Ewigkeit nach dem Startschuss für die Elite, als auch das Ende des Feldes mit uns Dreien darin begann, sich in Bewegung zu setzen,  den einen und anderen Fluch. Denn spätestens nach den ersten hundert Schritten hatten auch die Letzten in der Starterschlange ihre Häutung vollzogen und den Plastesack dem Wind übergeben, der ihn abtransportierte: mitten ins Gesicht oder wahlweise vor und unter die Füße der Hintermänner und -frauen. Sei’s drum. Ein gutes Training für das spätere Becherschliddern an den Verpflegungsstellen.

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Diesmal trennte sich unser Dreigestirn erst nach knapp fünf Kilometern auf Höhe Senckenberganlage (siehe Bild). Ich war es, der sich zurückfallen ließ, da die Anfangs-Pace höher war als jene, mit der ich glaubte den Marathon stressfrei durchlaufen zu können. Die beste Entscheidung dieses Rennens, denn ab da lief ich gleichmäßig und ruhig bis in die Festhalle.

Es würde mindestens 42,195 Berichte wie den vorliegenden brauchen, um die Eindrücke der langen, langen Runde durch meine Heimatstadt wiederzugeben: Die Musik und die übrigen Geräusche eines großen City-Marathons, die kurzen Dialoge der Läufer untereinander oder mit den teils fröhlich zechenden Jubelpersern an der Strecke, das Abklatschen der begeistert hingestreckten Kinderhände, für die man immer wieder bereit ist, die Strecke um ein paar Meter zu verlängern, indem man Richtung Straßenrand läuft und die kuriosen Kostümierungen. Bis auf eine bitterböse Krampfattacke kurz vor der Halbdistanz, die mich vielleicht zum Aufgeben gebracht hätte, wäre ich nicht von einer sachkundigen Zuschauerin mit ihrem Waden-Wissen gerettet worden (Falls Sie das hier jemals lesen: DANKE!), konnte ich alle diese Eindrücke ebenso genießen wie bei meinem ersten Frankfurt Marathon 2010, bei dem ich meine Bestmarke mit 04:52:36 setzte.

Alle fünf Kilometer merkte ich beim Blick auf das Zwischenzeiten-Armband, dass es immer wahrscheinlicher wurde, diese Marke zu unterbieten. Ich lief ruhig weiter und konsumierte so viele der pappsüßen gratis Energiegels, dass sich mir gegen Ende beinahe der Magen umgedreht hätte. Zum Glück blieb mir dies erspart und damit die zweifelhafte Sensation, eine halbverdaute Riesen-Nacktschnecke auszukotzen, die zeitlebens nur Gummibärchen gefressen hatte. Bestimmt spektakulär, aber muss wirklich nicht sein. Der fruchtige Schleimklumpen blieb, wo er war und meine Physis entzog ihm die nötigen Nährstoffe, um bis auf der Zielgeraden gegen den Wind und die Müdigkeit anzulaufen. Die Böen waren am Ende derart heftig, dass ich befürchtete, von einem abgerissenen Transparent niedergestreckt zu werden und erst nach Zielschluss am Straßenrand zu erwachen. Als ich endlich – bereits auf Endorphinwogen surfend – in den Eingang zu Festhalle tauchte und der Gegenwind mit einem Mal von jetzt auf sofort weg war, schoss ich wie ein Projektil an den Cheerleadern vorbei über die Linie. Arme hoch- und Bestmarke einreißen – so lautete die Devise. 04:45:07 netto. I’ve bettered my best – wofür es am Stand von  Asics ein khakifarbenes Basecap und einen Cranberryriegel gab. Leider gibt es kein Siegerbild zu dritt, da ich Klaus nicht ans Handy bekam und ihn wegen des ohrenbetäubenden Raschelns der Wärmefolien ohnehin nicht verstanden hätte. Geschafft haben wir es alle – und alle mit neuer persönlicher Bestzeit. Manöverkritik spare ich mir, zumal es ausreichend Medaillen gab und nur die nach dem langsamsten Block gestarteten schnellen Staffeln zeitweilig extrem nervten.

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Das Beste an dem Lauf  waren mit Abstand unsere kleinen und großen Supporter an der Strecke: Ich muss Euch nicht alle aufzählen, Ihr wisst wen ich meine.

Ach ja: Einen Tag danach war die Anmeldung für 2014 offen und ich hab es nicht geschafft, eine Startnummer unter 1000 zu ergattern. Sei es drum: 1296 ist meine Glückszahl für das kommende Jahr. Habe gerade die Wikipedia Einträge zu dieser Zahl gelesen; so wie es ausschaut werde ich den nächsten Frankfurt Marathon im Kilt laufen… Gugge mer ma, ob es Schottenröcke aus Funktionstextil im Internet gibt.

First Time, first Lauf…

…zumindest wenn es um die mythische Distanz von 42,195 Kilometern geht. Meine Anmeldung zum Commerzbank Marathon Frankfurt am 31.10.2010 ist Ende des letzten Monats beim Veranstalter eingegangen, und die Startgebühr von durchaus annehmbaren 60 Euro bereits unwiederbringlich vom Konto verschwunden. Der immensen Versuchung, bereits bei Anmeldung eines der stylischen Finisher-Funktionstrikots zu bestellen, habe ich widerstanden. Zu zahlreich sind die Möglichkeiten des Scheiterns, und auch wenn ich eigentlich davon ausgehe, mit entsprechender Vorbereitung und Disziplin die Strecke bewältigen zu können, und zudem aus meiner Zeit als nicht wirklich schlagfertiger Hobbyboxer in verschiedenen Vereinen ein gerütteltes Maß an physischer Leidensfähigkeit mitbringe, habe ich doch einen Heidenrespekt vor der doppelten Halbmarathondistanz. Die Vorstellung, bei km 27 aussteigen zu müssen und als desillusionierter, deprimierter und dehydrierter Zombie – passend zu Halloween – mit einer Taxe oder Öffis ins Ziel zu kommen, wo mich der Anblick meines bereits bezahlten und vom Umtausch ausgeschlossenen Hemdchens verhöhnt, ist gar zu schrecklich. Nun geht es also ans sprichwörtlich Eingemachte und daran, die gemütliche Wochenbilanz von round about 40 Laufkilometern auf Werte zwischen 60 und 80 zu steigern. Die erste Stufe habe ich bereits überschritten, und am kommenden Sonntag steht der erste lange Lauf über 30km mit einer Pace von 6.15/km mit dem Lauftreff von Spiridon Frankfurt auf dem Trainingskalender. Mal schaun – wenn der erste Marathon Lauf geschafft sein sollte, finde ich bestimmt einen traurigen Zombie im Zielgebiet, der nur zu gerne bereit ist, sein im Voraus gegen bessere Skepsis geordertes Finisher Longsleeve Größe L gegen einen Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises an mich abzutreten.