Lauf für mehr Zeit 2013: Bestzeit pulverisiert

Es gibt sie tatsächlich: Die nahezu perfekten Rahmenbedingungen für eine gute Leistung, die man jedoch im Vorfeld für die denkbar widrigsten Bedingungen hält. So war es vor genau einer Woche vor dem Start zum Lauf für mehr Zeit 2013. Wegen meines Zeitmanagements, das durchaus noch Optimierungspotential erkennen lässt, war ich, der doch nur pünktlich zur Stelle sein wollte, mehr als eine Stunde zu früh auf dem Platz vor der alten Oper. Kaum das ich mit kurzer Tight und Shirt von meinem Velo geklettert war, tat der Himel über Frankfurt seine Schleusen auf und entließ daraus einen ekelhaft kühlen Nieselregen. In Wanderkluft und mit leichter Windjacke hätte ich dieses frische Sprühen als angenehm empfunden oder garnicht wahrgenommen. So aber drückte ich mich klamm und föstelnd an den wenigen Unterstellmöglichkeiten in der Nähe der Dixie-Häuser herum. Vor jeder Art von Läufen läuft es bei mir Blasenschwächling aufgrund einer gewissen Grundnervosität ohnehin häufiger als im Normalbetrieb und die atmosphärische Feuchtigkeit trieb mich gefühlt im Zehn-Minuten-Takt in die blauen Chemo-Kloaken.

Nachdem ich den Zieleinlauf der 5 Kilometer Läufer angesehen und noch vier Mal zur Toilette gejoggt war, schlich ich schließlich Richtung Start für die 10er Distanz. Noch im Starterblock wurde mir klar, das der Nieselregen die Straße in eine Art Rutschbahn verwandelt hatte. Zumindest meine auf Matsch so bissigen Asics machten manch einem Schlittschuh in Sachen schlüpfriger Performance Konkurrenz. Ich stellte mich darauf ein, was meiner Ansicht nach bevorstand: Unsicheres Schlitern durch enge, teils katzenkopfgepflasterte Gassen mit Knöchelbruchgefahr bei jeder Spitzkehre und schlimmstenfalls nochmaliger Drang das Feld zum Wasserlassen zu verlassen.

Doch es kam ganz anders und um einiges besser. Ich hatte schon nach den ersten Kilometern das Gefühl, zwar völlig entspannt, aber ziemlich zügig auf dem Weg zu sein. Ein Blick auf die Garmin machte mich Staunen: Kilometer zwei in 4:56 Minuten, Kilometer drei in 4:39. War die Uhr vom Regen gekillt worden und zeigte nur noch Phantasiewerte? Eher unwahrscheinlich bei einem Triathlon-Wecker wie dem Forerunner 410XT. Scheinbar lief ich so schnell durch die Frankfurter Innenstadt wie nie zuvor. Wie lange würde das gutgehen?

Anstatt die Bremse reinzuhauen und mich alters- und leistungsgemäß zu gebärden gab ich weiter Gas. Ich dachte dabei noch überhaupt nicht an die zu erwartende Endzeit. Nur nicht zu deutlich die Pace von 5 min/km überschreiten – mehr hatte ich bis zu Beginn des letzten Kilometers nicht im Sinn. Diese abschließenden 1000 Meter schnurgerade auf das Ziel zu gab ich alles, was drin war und wurde auf den letzten 150 Metern vom Anblick der Uhr über der Ziellinie überrascht. Das digitale Zählwerk zeigte 00:49:29. Ich nahm die Beine in die Hand und flog auf die roten Ziffern zu.

Ekelhaft aber wahr: Während dieser letzten dramatischen vier Minuten erlebte ich, wie sich Pferde fühlen, denn ich spie mit jedem Atemstoß Schaumflocken in alle Richtungen. Ich entschuldige mich bei allen MitläuferInnen, die ich in diesem Zustand überholte.

Im Ziel schleifte ich meine Zunge wie einen Brautschleier hinter mit her und hatte noch gute 15 Minuten das Gefühl, mein Herz erbrechen zu müssen – aber alle Unbill war vergessen als ich eine Stunde danach einen Blick auf die Online-Urkunde mit der Nettozeit werfen konnte.

lfmz13

Hier ist das gute Stück, dem ich hiermit den passenden Rahmen verleihe (leider um eine Woche verspätet, da unser DSL-Router kurz zuvor seine Seele ausgehaucht hatte).

Verglichen mit dem Lauf für mehr Zeit 2012 war ich etwa neun Minuten schneller. Ich hoffe inständig auf einen nassen Frühherbst 2014…