Hanglage nach Absage: Trost-Trail auf der Horizontale

Noch einen Tag vorher war die Zuversicht mindestens ebenso groß wie die bangen Erwartungen. Alle Medien hatten nur ein Thema. Regen. Starkregen. Schlamm. Schlammregen. Starkschlamm. Die Seite der Horizontale – Rund um Jena beim Platzhirsch unter den Sozialen Netzwerken zeigte als letzten Eintrag eine morasttriefende Riesenpfütze und den Schriftzug EXTREM in Trash-Horrofilmplakat Signalrot. Wir werden nur wegen echter Katastrophen absagen – so die heroische Botschaft und ich glaubte: An den sicheren Start und widerwärtig nasse, dunkle und kalte Stunden. Viele Stunden in denen ich versuchen wollte, die magische Zahl von 100 Kilometern Trailstrecke wandernd zu bewältigen.

Ich hätte es besser wissen können – dafür hätte ich jedoch noch am Vormittag des vergangenen Freitag meine Mails in jenem Elektropostfach checken müssen, das nicht mit dem Smartphone synchronisiert ist. Ich habe es nicht getan und so erfuhr ich erst kurz vor Jena von der Absage aufgrund von überfluteten Wegen und der Gefahr abrutschender Hänge. In Zöllnitz trafen wir in unserem ebenfalls von Hochwasser gefährdeten und mit rotweißem Absperrband umzingelten Basislager auf einen Trupp trauriger und vor allem hochgradig unausgelasteter Wandervögel. Viele Monate der Vorbereitung schienen umsonst. Die kaum genutzte Ausrüstung schien uns zu verspotten. Wir würden nicht zusammen loslaufen, müde werden, leiden, hadern, den inneren Schweinehund zum finalen Zweikampf in den frühen Morgenstunden fordern und vor allem nicht – nach Schmerzen, Schwielen und Zweifeln – das ultimative Hochgefühl kosten und nach erfolgreicher Überschreitung der eigenen Grenzen auch die Ziellinie überschreiten.

Überschritten haben wir sie dennoch – aber nur um einen Fressbeutel und diverse Gimmicks abzuholen und uns, die wir von weither angereist waren, in eine Liste derer einzutragen, die im kommenden Jahr einen der 1000 Startplätze sicher haben werden. Delayed is not cancelled – so far, so good.

Wohin aber mit dem Drang, sich zu bewegen? Nach erfolgter Rückkehr ins Basislager Zöllnitz war klar: Wir müssen raus und in die kalte Pampe, sonst siegt der Frust. Also ging es zu viert – Dörte, Anita, Tommi und ich – auf ein Stück der Horizontale. Nicht wandernd, sondern im (ziemlich zügigen) Laufschritt.

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Nach diesem Trail waren wir durchgefroren, ausgepowert und (trotz verbliebener Schwermut) zufrieden genug, um sämtliche Carbo-Loading Zubereitungen aufzufressen und ein ortsansässiges Bier zu verkosten.

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Wir haben den Weg gesehen und gespürt. Wir werden uns wiedersehen , um ihn bis an sein Ende zu wandern.