Mit Training Lab auf neuen Wegen zur Quantifizierung des Seins

Dem berühmten deutschen Philosophen Kant zufolge, wird unsere gesamte menschliche Erkenntnis durch basale, begriffliche Formen des Denkens strukturiert, die der kluge Königsberger Kategorien nannte. Was nicht durch die Begriffe der Qualität (etwas Bestimmtes Sein), Quantitat (eine bestimmte Menge von etwas Sein), Relation (etwas im Verhältnis zu etwas anderem Sein) und Modalität (etwas in bestimmter Weise Sein)  immer schon bestimmt ist, ist für den Menschen schlichtweg kein Gegenstand, den er erfahren kann.

Soweit das philosophische Vorspiel zum Menschen als Mensch – nun zum Menschen als Läufer.

Für Menschen die Laufen, zählt von diesen Kategorien vor allem jene der Quantität. Läufer – und auch ihre multisportlichen Artgenossen wie Tri- und Duathleten – tendieren dazu, alles, was sie sind, in zählbare Größen umzuwandeln. Wer auf die Frage: „Wie war dein Lauf?“ mit „Entspannt. Ich war so ungefähr eine Stunde bei schönem Wetter im Park“ antwortet, ist ein Jogger. Der Läufer, der diesen Ehrentitel mit Fug und Recht beansprucht, druckt dem Fragenden ein Excel-Sheet mit den circa 25 wichtigsten Parametern aus. Distanz, Höhenprofil, Pace (min, max, Schnitt), Geschwindigkeit (min, max, Schnitt), Zeit, Höhenprofil, Kalorienverbrauch, Pulsfrequenz nach vorher festgelegten Belastungsstufen unterteilt, zudem Wetterdaten und eine Karte der Strecke – wahlweise als Skizze oder Satellitenfoto mittels Google Maps Import.

Auch die immens schlaue Kappe der süddeutschen Firma O-Synce, die ich seit geraumer Zeit Zwecks Langzeittest in meinem Besitz habe und bereits zum Gegenstand einer ersten Beurteilung gemacht hatte, gestattet dem laufenden Vertreter des postmodernen Homo sapiens nicht nur dank ihres multipel belegbaren Displays eine gediegene Selbstquantifizierung; die zugehörige Software, die zum kostenfreien Download auf der Webseite des Unternehmens bereitsteht, ermöglicht zudem die Führung eines sportiven Diariums, oder weniger geschwollen: eines vollumfänglichen Lauftagebuchs, das sogar den Import von Bildern gestattet.

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Vor allem die Internet- und Social Media- Skeptiker, die überhaupt keine Lust dazu verspüren, sich bei einer der zahllosen Online-Communities für LäuferInnen anzumelden, werden angesichts dieses Programms frohlocken, denn Training-Lab bietet offline, was andere Hersteller nur in Verbindung mit einer Registrierung bei dem jeweiligen Online-Portal bieten. Online geht natürlich auch – ist aber kein Muss.

Vor allem die Möglichkeit eines Bilder-Upload wertet das Lauftagebuch ungemein auf. Was ich bislang noch nicht herausbekommen habe, ist, wie man die Höhenunterschiede ermittelt. Wäre es unmöglich, mit dem Sports-Visor Screeneye X und der zugehörigen Software Training-Lab diese Daten zu erheben, wären derlei Datenfelder – wie sie (siehe oben) Bestandteil jeder Tagesansicht des Trainingstagebuches sind, schlicht überflüssig.

Hier wird sicher von Herstellerseite ein Statement folgen.

Fürs Erste so viel als vorläufiges Fazit: Schnelle und einfache Datenübertragung (Kabel) in Richtung der kostenlos herunterladbaren Software. Letztere bietet nette Features, die sich von den Standards der Mitbewerber positiv abheben (vor allem als offline nutzbares Lauftagebuch mit Bilder-Import); wechselnde Ansichten, die einen differenzierten Überblick von Tag bis hin zum ganzen Jahr gestatten und jede Menge weiterer grafischer Gimmicks, die es dem ambitionierten Hobby-Renner erlauben, sich in toto in Quantität aufzulösen.

Da die Tage länger werden und auch für frühe Vögel genug Licht am Firmament zu finden ist, um das Display des Screeneye-X zu illuminieren, wird es nun noch sehr viel öfter heißen: „Liebes Tagebuch…“.