100 Kilometer in 24 Stunden: Mega(i)marsch

Der Gedanke, als Läufer die Wanderschuhe zu schnüren und die Ehrfurcht, wenn nicht gar Furcht einflößende Distanz von 100 Kilometern in Tagesfrist zu absolvieren, kam mir nicht erst im Laufe dieses Jahres. Schon 2012 hatte ich begonnen, mich mit dem Thema zu befassen, mich an die Distanz heranzutasten und entsprechendes Equipment zusammenzustellen. Die Horizontale – rund um Jena, die ich damals mit Freunden angehen wollte, wurde am Veranstaltungstag abgesagt und so blieb nur ein Trost-Halbmarathon auf einem Teil der Strecke.

Der Trend zu immer neuen Challenges hat inzwischen mehrere neue Märsche über diese Distanz entstehen lassen und einer davon – der Megamarsch, der erstmals in diesem Jahr in Frankfurt ausgetragen werden sollte – hatte mein Interesse neu geweckt. Als dann auch noch ein günstiges Early-Bird-Ticket angeboten wurde, hing ich als notorisches Sparbrötchen an der Leimrute und meldete mich an.

Aufgrund der Marathon-Vorbereitung hatte ich eine gute Grundlagen-Ausdauer und da zu weiten Wanderungen zwecks Ausrüstungs- und Belastungstests schlicht keine Zeit blieb, beschloss ich, es dabei zu belassen. Rund 12.000 Schritte gehe ich ohnehin jeden Tag. Hinzu kommt die mentale Härte und Leidensfähigkeit, die man zwangsläufig mitbringt, wenn man den Marathon in der Regel nicht in dreieinhalb, sondern in knapp bis rund fünf Stunden beendet. Ob diese Entscheidung töricht war, oder nicht, sollte sich am 14. und 15. Oktober 2017 zeigen.

Das Wetter hätte es am Megamarsch-Samstag kaum besser mit Veranstalter und Wanderern meinen können (die durchgehend männliche Schreibung ist einzig der besseren Lesbarkeit geschuldet, denn es waren jede Menge beinharter Mädels am Start). Mein Wander-Kumpan Thomas – seines Zeichens Pfadfinder und mit Distanzen bis etwa 75 Kilometer vertraut – und ich hatten als favorisierte Startzeit 16:00 Uhr und mithin das früheste „Go“ gewählt. Beinahe wäre unser Block jedoch ohne uns gestartet, denn es erwies sich trotz zweier Autos mit vier Navigationsgeräten als schwierig, den Tennisverein im Stadtwald bzw. die richtige Ausfahrt zu selbigem Platz auszumachen. Eine unerwartete Sperrung am Museumsufer machte uns endgültig nervös, aber um 10 Minuten vor Vier waren wir vor Ort und kosteten das dämliche Gefühl aus, von der falschen Seite auf das Starttor und die dahinter versammelten Wandervögel zu zu marschieren.

Wir reihten uns ein, nahmen die letzten ermahnenden Worte aus dem Megaphon des Veranstalters wahr („kein Müll und kein Mensch wird im Wald zurückgelassen“ – beides durchaus löblich), zählten von 10 bis zu besagtem „Go“ und setzten uns in Bewegung. Fotografiert und motiviert von unsern Supportern aus Frankfurt und hessisch Sibirien. Ein Vorteil der Verspätung: kein langes auf und ab Stehen im Bereitschaftsraum; Kommen und Gehen in einem Zug.

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